Implantate bekommen keine Karies. Was sie bekommen können, ist eine Entzündung des Gewebes, das sie umgibt — und das ist der häufigste Grund, warum Implantate verloren gehen.
Zwei Stufen, ein wichtiger Unterschied
Periimplantäre Mukositis ist die Entzündung der Schleimhaut um das Implantat, vergleichbar mit einer Gingivitis am natürlichen Zahn. Es blutet beim Sondieren, das Gewebe ist gerötet und geschwollen — aber der Knochen ist noch unversehrt. Dieser Zustand ist umkehrbar.
Periimplantitis liegt vor, wenn zur Entzündung ein fortschreitender Knochenabbau kommt. Erkennbar wird das an der Blutung oder Eiterung beim Sondieren, an zunehmenden Sondierungstiefen und am Röntgenbild. Der verlorene Knochen kommt nicht von selbst zurück.
Der Übergang von der einen zur anderen Stufe ist genau der Punkt, an dem man eingreifen sollte. Und er lässt sich nur durch Messen erkennen, nicht durch Hinschauen.
Wie häufig ist das?
Häufiger, als die meisten erwarten. Eine viel zitierte Auswertung kommt auf eine gewichtete mittlere Häufigkeit von 43 Prozent für die periimplantäre Mukositis und 22 Prozent für die Periimplantitis.
Diese Zahlen sind kein Argument gegen Implantate. Sie sind ein Argument für Nachsorge — und dafür, vor der Implantation ehrlich zu prüfen, ob die Voraussetzungen stimmen.
Warum Implantate anfälliger sind als eigene Zähne
Ein natürlicher Zahn hängt in einer Art Hängematte aus Fasern, dem Wurzelhautapparat. Diese Fasern stehen quer zur Wurzel, sind gut durchblutet und bilden eine wirksame Barriere gegen Bakterien.
Um ein Implantat herum gibt es diesen Apparat nicht. Die Fasern verlaufen parallel zur Oberfläche statt hineinzuziehen, und die Durchblutung ist geringer. Fällt die Abdichtung, breitet sich eine Entzündung dort schneller in die Tiefe aus als am eigenen Zahn.
Deshalb gilt: Ein Implantat ist pflegeleichter als eine Prothese — aber pflegebedürftiger als ein gesunder Zahn.
Woran Sie es bemerken könnten
- Zahnfleischbluten rund um das Implantat
- gerötetes oder geschwollenes Gewebe an dieser Stelle
- schlechter Geschmack, Druckgefühl, in fortgeschrittenen Fällen Eiteraustritt
- ein Implantat, das sich bewegt — dann ist es meist zu spät
Auch hier gilt: In den frühen Stadien tut nichts weh. Die Blutung beim Sondieren ist das zuverlässigste Zeichen, und die stellen wir bei der Kontrolle fest, nicht Sie zu Hause.
Was sich tun lässt
Bei der Mukositis genügt in vielen Fällen eine gründliche Reinigung der Implantatoberfläche, verbunden mit einer Überprüfung der häuslichen Pflege und der Konstruktion darauf: Kommt man überhaupt an alle Stellen heran? Eine Krone, die keinen Reinigungsraum lässt, ist selbst Teil des Problems und lässt sich oft ändern.
Bei der Periimplantitis ist der Aufwand größer. Je nach Ausmaß reicht die Behandlung von der Reinigung unter Sicht bis zum chirurgischen Eingriff mit Säuberung der Oberfläche und, wo möglich, Wiederaufbau des Knochens. Ergebnisse sind hier weniger vorhersagbar als bei der Parodontitis am eigenen Zahn — auch das sagen wir vorher.
Nachsorge gehört zum Implantat
Ein Implantat gehört in ein festes Kontrollintervall, lebenslang. Bei jedem Termin wird sondiert, gereinigt und in Abständen geröntgt. Wer parodontal vorbelastet ist, kommt häufiger.
Das ist der unspektakulärste Teil der Implantologie — und derjenige, der über die Haltbarkeit entscheidet.
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Quellen: Falldefinitionen für periimplantäre Gesundheit, periimplantäre Mukositis und Periimplantitis nach dem World Workshop 2017 (Berglundh et al.). Häufigkeitsangaben aus der gewichteten Metaanalyse von Derks & Tomasi.
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