Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats — also all dessen, was den Zahn im Kiefer hält: Zahnfleisch, Wurzelhaut, Wurzelzement und Knochen. Sie beginnt an der Oberfläche und arbeitet sich nach unten.
Wie sie entsteht
Auf jedem Zahn bildet sich ein Biofilm, im Alltag „Belag" genannt. Wird er nicht regelmäßig entfernt, reagiert das Zahnfleisch mit einer Entzündung: Es wird rot, schwillt an und blutet beim Putzen. Das ist eine Gingivitis — und sie ist vollständig umkehrbar. Wer den Belag wieder in den Griff bekommt, hat in wenigen Wochen gesundes Zahnfleisch.
Bleibt die Entzündung bestehen, wandert sie in die Tiefe. Zwischen Zahn und Zahnfleisch entsteht eine Tasche, in der sich Bakterien vor Zahnbürste und Speichel schützen können. Der Körper wehrt sich — und baut dabei den eigenen Knochen ab, um Abstand zur Entzündung zu gewinnen. Ab hier heißt es Parodontitis.
Der entscheidende Unterschied: Verlorener Knochen wächst nicht von allein nach. Eine Behandlung kann die Entzündung stoppen und den Zustand stabilisieren. Sie kann in Grenzen auch aufbauen. Aber sie kann die Uhr nicht zurückdrehen. Deshalb ist der Zeitpunkt so wichtig.
Warum es so lange unbemerkt bleibt
Parodontitis tut in der Regel nicht weh. Es gibt keinen Moment, an dem der Körper Alarm schlägt. Was es gibt, sind leise Zeichen:
- Zahnfleischbluten beim Putzen oder in den Speiseresten — das ist nie normal
- Mundgeruch, der sich durch Putzen nicht dauerhaft beseitigen lässt
- Zahnfleisch, das zurückgeht — die Zähne wirken länger, Zahnhälse werden empfindlich
- Zähne, die sich bewegen oder ihre Stellung verändern; plötzlich entstehende Lücken
- Wiederkehrende Schwellungen oder ein Druckgefühl am Zahnfleisch
Wenn Zähne wackeln, ist die Erkrankung meist schon weit fortgeschritten. Deshalb wird beim Kontrolltermin gemessen und nicht nur geschaut.
Stadien und Grade — was die Einteilung bedeutet
Seit 2018 wird Parodontitis weltweit nach zwei Achsen eingeteilt. Das klingt bürokratisch, ist aber sehr praktisch: Die eine Achse beschreibt, wie viel schon verloren ist, die andere, wie schnell es geht.
Stadium I bis IV — der bisherige Schaden
- Stadium I: beginnender Attachmentverlust, meist ohne Zahnverlust
- Stadium II: mäßiger Verlust, der Halt ist noch gut
- Stadium III: ausgeprägter Verlust mit der Möglichkeit von Zahnverlust
- Stadium IV: ausgedehnter Verlust; das Gebiss beginnt, seine Funktion zu verlieren — Zähne wandern, kippen, die Bisslage verändert sich
Grad A bis C — die Geschwindigkeit
- Grad A: langsamer Verlauf
- Grad B: mittlerer Verlauf
- Grad C: rascher Verlauf
Der Grad berücksichtigt auch Risikofaktoren: Rauchen und ein schlecht eingestellter Diabetes verschieben die Einstufung nach oben. Und er entscheidet praktisch mit darüber, wie engmaschig die Nachsorge sein muss — ein Grad C braucht dreimal im Jahr einen Termin, ein Grad A einmal.
Was den Verlauf ungünstig beeinflusst
- Rauchen. Der stärkste beeinflussbare Faktor. Nikotin verengt die Gefäße im Zahnfleisch: Es blutet weniger, sieht dadurch länger gesund aus — und der Abbau läuft trotzdem weiter, oft schneller. Raucher sprechen zudem schlechter auf die Behandlung an.
- Diabetes mellitus, vor allem schlecht eingestellt. Der Zusammenhang wirkt in beide Richtungen; mehr dazu unter Zahnfleisch und Allgemeingesundheit.
- Die eigene Veranlagung. Manche Menschen reagieren auf dieselbe Menge Belag mit deutlich mehr Entzündung als andere. Das ist keine Schuldfrage, sondern ein Grund für kürzere Kontrollabstände.
- Stress und Schlafmangel, weil beides die Immunabwehr beeinflusst.
- Zahnstein und schlecht zugängliche Stellen — überstehende Füllungsränder, enge Zahnstellungen, festsitzender Zahnersatz ohne Reinigungsmöglichkeit.
Der nächste Schritt
Wie eine Behandlung abläuft, was die Krankenkasse übernimmt und wie lange die Nachsorge dauert, steht auf der Seite zur Behandlung.
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Quellen: Klassifikation nach dem World Workshop 2017 (Stadien I–IV, Grade A–C). Behandlungsempfehlungen nach den S3-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) und der DGZMK, der deutschen Umsetzung der EFP-Leitlinien.
Video
Kurz erklärt – aus unserer Praxis
Die Videos geben allgemeine Informationen und ersetzen keine individuelle Beratung; Behandlungsverlauf und -ergebnis hängen von den persönlichen Voraussetzungen ab. Alle Videos sind untertitelt. Mehr in der Mediathek und auf Instagram.
