Seit dem 1. Juli 2021 gibt es für die Parodontitisbehandlung eine eigene Richtlinie der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie hat aus einer einzelnen Maßnahme eine Behandlungsstrecke gemacht: mehrere Schritte, feste Kontrollpunkte und eine verbindliche Nachsorge. Das ist die wichtigste Neuerung — denn an der Nachsorge entscheidet sich, ob das Ergebnis hält.
Schritt 1: Messen und verstehen
Am Anfang steht die Befundaufnahme. An jedem Zahn werden sechs Stellen gemessen: Wie tief lässt sich die Sonde in die Tasche einführen, blutet es dabei, wie weit ist das Zahnfleisch zurückgegangen? Dazu kommen Röntgenaufnahmen, um den Knochen zu beurteilen, und die Frage nach Rauchen, Diabetes und Medikamenten.
Daraus ergeben sich Stadium und Grad — und damit der Plan. Dieser Plan geht bei gesetzlich Versicherten vor Behandlungsbeginn zur Krankenkasse.
Anschließend folgt ein eigener Termin, den die Richtlinie ausdrücklich vorsieht: das Aufklärungs- und Therapiegespräch. Wir gehen Ihre Werte gemeinsam durch — warum genau diese Zähne betroffen sind, was die Zahlen bedeuten, welchen Anteil Sie selbst haben. Dazu die individuelle Mundhygieneunterweisung: nicht „gut putzen", sondern an Ihrem Gebiss gezeigt, wo die kritischen Stellen liegen und mit welchem Hilfsmittel man dort hinkommt.
Dass dieser Schritt eine eigene Position bekommen hat, ist kein Formalismus. Eine Parodontitisbehandlung, die der Patient nicht verstanden hat, hält selten.
Schritt 2: Die antiinfektiöse Therapie
Hier wird der Biofilm dort entfernt, wo die Zahnbürste nicht hinkommt: unterhalb des Zahnfleischs, in den Taschen ab vier Millimetern. Das geschieht mit feinen Handinstrumenten und Ultraschallansätzen, in aller Regel unter örtlicher Betäubung, meist in zwei Sitzungen.
Das Ziel ist nicht „sauber", sondern entzündungsfrei. Die Wurzeloberfläche soll so glatt sein, dass sich das Gewebe wieder anlegen kann.
Danach braucht der Körper Zeit. Nach etwa drei bis sechs Monaten folgt die Befundevaluation: Es wird erneut an allen sechs Stellen gemessen. Erst dieser Vergleich zeigt, was die Behandlung gebracht hat — und wo noch etwas offen ist.
Schritt 3: Chirurgie, wenn nötig
Bleiben nach der Befundevaluation Taschen von sechs Millimetern und mehr, kommt ein chirurgischer Eingriff in Betracht. Dabei wird das Zahnfleisch vorsichtig gelöst, die Wurzel unter Sicht gereinigt und das Gewebe wieder vernäht. In geeigneten Fällen lässt sich verlorenes Gewebe teilweise wieder aufbauen — das sind die regenerativen Verfahren, und sie sind eine Privatleistung.
Nicht jede tiefe Tasche muss operiert werden. Ob sich der Eingriff lohnt, hängt vom Zahn, vom Knochenverlauf und von Ihrer Mitarbeit ab. Wo wir den Nutzen nicht sehen, raten wir ab.
Schritt 4: Die Nachsorge — der eigentlich entscheidende Teil
Die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) läuft über zwei Jahre. Wie oft, richtet sich nach dem Grad:
- Grad A — einmal jährlich
- Grad B — zweimal jährlich
- Grad C — dreimal jährlich
Bei jedem dieser Termine wird gemessen, gereinigt und nachjustiert. Der Sinn dahinter ist einfach: Der Biofilm kommt zurück. Nach ungefähr drei Monaten hat er in den tieferen Bereichen wieder ein Niveau erreicht, bei dem die Entzündung von Neuem beginnen kann. Die UPT unterbricht diesen Kreis, bevor er sich schließt.
Wer die Nachsorge auslässt, verliert den Behandlungserfolg wieder — das ist der am besten belegte Zusammenhang in diesem ganzen Gebiet. Die aktive Behandlung ist der kleinere Teil der Arbeit.
Was die Kasse übernimmt — und was Sie selbst tragen
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die systematische Behandlungsstrecke: Befundaufnahme, Aufklärungs- und Therapiegespräch, antiinfektiöse Therapie, Befundevaluation, bei Bedarf den chirurgischen Eingriff und die UPT über zwei Jahre.
Privat zu tragen sind unter anderem:
- die professionelle Zahnreinigung
- dreidimensionale Röntgendiagnostik (DVT)
- Laseranwendungen
- lokal eingebrachte Antibiotika
- regenerative Verfahren zum Gewebeaufbau
Was in Ihrem Fall anfällt, steht vor Behandlungsbeginn schriftlich in einer Vereinbarung. Wie eine private Rechnung überhaupt zustande kommt, erklären wir ausführlich auf unserer Hauptseite unter GOZ und private Abrechnung.
Ist ein größerer Betrag zusammengekommen, ist eine Ratenzahlung über BFS health finance möglich — ab 25 Euro monatlich. Die Konditionen nennt Ihnen BFS vor Ihrer Zustimmung.
Was Sie selbst beitragen
Zwei Dinge wirken stärker als alles, was in der Praxis passiert:
- Die tägliche Reinigung der Zwischenräume. Eine Zahnbürste erreicht rund 60 Prozent der Zahnoberfläche. Der Rest liegt zwischen den Zähnen — genau dort, wo Parodontitis beginnt. Welche Bürstengröße bei Ihnen passt, messen wir aus.
- Rauchstopp. Wenn Sie rauchen und aufhören, verbessert das die Aussichten deutlich — messbar, nicht nur theoretisch. Wir wissen, dass das leichter gesagt als getan ist, und wir machen daraus keinen Vorwurf. Aber wir sagen es Ihnen ehrlich, weil es zur Beratung gehört.
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Quellen: PAR-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, in Kraft seit 1. Juli 2021. S3-Leitlinien der DG PARO/DGZMK zur Behandlung von Parodontitis (deutsche Umsetzung der EFP-Leitlinien). Angaben zu Privatleistungen nach den Patienteninformationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.
Video
Kurz erklärt – aus unserer Praxis
Die Videos geben allgemeine Informationen und ersetzen keine individuelle Beratung; Behandlungsverlauf und -ergebnis hängen von den persönlichen Voraussetzungen ab. Alle Videos sind untertitelt. Mehr in der Mediathek und auf Instagram.
